Auszug

In den letzten Tagen war es hier im Blog sehr ruhig. Das hatte einen guten Grund. Frau StrickGedanken hat für 12 Tage ein Zimmer im Kulmbacher Klinikum gebucht gehabt. 12 Tage. Ein bisschen länger, als gedacht.

Aber es hat sich gelohnt. Für meinen Zahnarzt: Er darf mir demnächst eine Wurzel ziehen, der dazugehörige Zahn wurde mir während der Narkose mit dem Beatmungsschlauch abgebrochen *seufz*. Für den Narkosearzt und den Operateur: Die durften mich gleich zweimal sehen, denn manchmal langt man doppelt hin und darf sich Blutergüsse operativ ausräumen lassen. Und vor allem für mich: *Otto* ist endgültig ausgezogen. Und 11 Lymphknoten durften mich auch verlassen.

Die Prognosen für mich sind laut Chefarzt die allerbesten. *Ottos* Hülle hatte nur noch einige versprengte Tumorzellen beheimatet, die Hauptarbeit hatte ja schon die Chemo geleistet. Und die 11 Lymphknoten waren alle frei. Keine einzige war befallen. Jetzt muss nur noch die Drainage im Arm gezogen werden, alles schön abheilen und dann kommen noch Bestrahlungen auf mich zu. Und dann ist die Geschichte endgültig beendet.

Im übrigen sprießen meine Haare wie verrückt und man sieht schon einen leichten Schatten. Für ohne Mütze herumlaufen reichts noch nicht, aber es wird auch da langsam :-) Ich darf so einiges mit dem operierten Arm nicht anstellen, aber eins darf ich uneingeschränkt: stricken. Und das mach ich auch, wenn ich den Schlauch mit der Drainage abgegeben habe. Denn freibeweglich ist der Arm auch. Die Physiotherapeutin im Klinikum war hocherstaunt, dass ich mich so gut bewegen kann.

Und demnächst zeig ich Euch die Socken, die ich in der Klinik gestrickt habe. Irgendwie musste ich mir ja die Zeit bis zur OP totschlagen. Und drei Mosaikpatche hab ich Euch auch noch nicht gezeigt.

Fischlein und Mosaik

In genau einer Woche bin ich schon operiert worden und liege im Klinikum. Und genau aus diesem Grund musste meine Häkeljacke “Nemo” endlich fertig werden. Irgendwie war der Halsausschnitt sehr groß und so wurde etwas experimentiert. So (fast) ohne Anleitung find ich meine Jacke sehr gelungen! Und weil Ihr bei der “Daphne” gemeint hattet, dass ein Foto von fertigen Sachen an Frau Strickgedanken besser aussieht als langweilig auf dem Boden, habe ich für Euch mal schnell gemodelt. Nun – die Frisur passte *hüstel*, das Wetter war gut und das kam dabei raus:

Nemo ohne Kopf“Nemo” mal von nahem. An den Fingern hab ich keinen neuen Nagellack ausprobiert, das ist eine Nebenwirkung von der Chemo *seufz*.

Nemo von hinten“Nemo” von hinten.

NemoUnd jetzt “Nemo” und Frau Strickgedanken in voller Schönheit  :-)  Gell, die Frisur ist toll. Aber drunter ist halt noch nicht allzu viel bzw. sehr kurz (2 Millimeter) und sehr hell. Und solange gibts Mützen.

Jetzt hätte ich ja den fehlenden Ärmel von der “Gotland Jacke” stricken können. Hab ich aber nicht. Hab keine Lust. Ich habe mich aber an das Buch “Mosaic Knitting” erinnert und dass ich da schon vor längerem mir die Deckenpatche stricken wollte. Aber die Wollauswahl fiel mir schwer, da ich angenommen habe, dass ich nicht die passende in meinem Fundus habe. Nun habe ich aber Merino-Konen, teilweise sind das Reste und das Kammgarn, das jetzt schon öfter hier aufgetaucht ist wie z.B. in “Nemo”. Und so habe ich mal ein bisschen angefangen zu stricken. Das wird echt zur Sucht. Und bis zur OP kann ich entspannt Quadrate stricken. Danach? Wird man sehen…

Nemo und Kringel

Die Stricknadeln hab ich mal kurz in die Pause geschickt. Ich bin der Häkelnadel mal wieder verfallen. Die Anfänge vom Sonnenkringelloop habt Ihr ja schon als Unterlage vom Tröstebärchen gesehen. Nun ist er fertig.
SommerkringelDie Farbe ist der Hammer, gell? Der Strang vom ~*Wollklecks*~ hat einfach nur danach gerufen ein Kringel zu werden. Und dann hab ich ihn auch zusammengenäht, so dass man ihn als Loop tragen kann. Die Anleitung kann man käuflich bei Ravelry erwerben. Vielleicht gibts noch einen grünen Kringel aus einem Aboknäuel von Zwergers. Mal gucken.

Bei meinem nächsten großen Häkelprojekt ist eigentlich meine Mama dran *schuld*. Am Muttertag hatte sie nämlich verschiedene Wollreste, die sie zu einer Weste verhäkeln wollte. Das Buch hatte ich doch auch, aus dem sie das Muster hatte! Und der Pulli auf dem Titelbild gefiel mir auf Anhieb.

Burda-HäkelbuchDas Buch ist aus dem Jahr 1980, also topaktuell *hust* Das Muster vom Pulli habe ich auch ausprobiert, aber das hatte mir für einen Pulli zuviele Löcher an Stellen, die ich eher bedeckt haben will. Dann hab ich etliche Muster ausprobiert, hängengeblieben bin ich bei Mamas Muster (das Musterpröbchen liegt ja gleich neben dem Pulli).

Dann kam die nächste Chemo, die schon gewohnt schlaflose Nacht danach und ich hab den Pulli angefangen. Hier häkelt man die Ärmel jeweils bis zur Mitte, und verbindet sie dann. Das Vorder- und Rückteil wird dann konventionell von oben nach unten dran gehäkelt. Eigentlich ganz simpel. Das blöde ist nur, dass man schlecht die Breite der Jacke abschätzen kann (die Gr. 42, bis dahin der Pulli und der Schnitt im Buch geht, hab ich “etwas” überschritten). Aber ich bin ja nix gehalten, also wird das Teil einfach eine Jacke.

NemoSoweit bin ich jetzt schon. Der Rücken ist fertig und ein Vorderteil ebenfalls. Die Wolle (weiß ist Kammgarn, orange ist Schoppel Miro 4fach) ist gewickelt und wartet nur darauf, verarbeitet zu werden. Nun seht Ihr auch, warum ich die Jacke “Nemo” genannt habe :-) Das orange-weiße erinnert mich voll an das Fischlein im Zeichentrickfilm. Mit der Jacke werde ich garantiert nicht übersehen, aber jetzt schon find ich sie wirklich hübsch.

Die Chemos hab ich nun auch komplett durch und der Operationstermin steht inzwischen auch schon. Bis dahin muss sowohl “Nemo” als auch vielleicht der fehlende Ärmel der “Gotland Jacke” vervollständigt werden. Seit gestern weiß ich nämlich, dass mir sämtliche Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt werden und da wird das Stricken und Häkeln am Anfang (hoffentlich gehts wenigstens später wieder…) nicht so gut klappen. Aber bis dahin darf ich mich erholen und Kräfte sammeln. Inzwischen hab ichs mit einem bekannten Buchtitel “Ein Schnupfen hätte auch gereicht”….

fürs Klinikum

Erstmal kann ich Socken zeigen. Verschenkt werden die an meiner letzten Chemo an die nette “Managerin” der Tagesklinik. Bis dahin muss ich aber noch 2 Stück hinter mich bringen. Die Nr. 14 von insgesamt 16 Chemos habe ich morgen.

Opal Maskenball
SockInfo: Opal Maskenball, Charademuster

Übergeben werde ich an die Tagesklinik zum Weiterverteilen aber was andres. Eine Freundin hat per Facebook eine einfache Strickanleitung für Bärchen verlinkt. Sowas kann sogar ich, hab ich mir gedacht. Und da ich immer in der Nacht nach der Chemo von 3 bis 6 Uhr hellwach bin, habe ich mich dran gemacht, meinem allerliebsten Schatz ein solches Bärchen herzustellen. Ich habs tatsächlich geschafft bis aufs Stopfen den Bär fertig zu bekommen.

Bärchen für MänneIch fand ihn gelungen und hübsch. Und wirklich sehr einfach zu machen. So sehen sogar bei mir Bärchen hübsch aus :-) Ich bin halt eine Großteilestrickerin und hab bei solchen Kleinteilen meist nur Knoten in den Fingern.

Und da das ja eigentlich Trostbärchen sind und für Kinder, die unvermittelt in Situationen kommen, in denen Bärchen Trost spenden können, habe ich mich an die Großproduktion gemacht.

Trostbärchen und Babyspiralen
Zu den Bärchen kommen dann noch Babyspiralsöckchen hinzu. Ich hoffe, das Klinikum freut sich drüber.

Tuchvirus

Kaum guckt man in seine ufO-Kisten, schon hat man fertige Tücher. Nun, so schnell gings dann doch nicht. Aber an einem Tuch brauchte ich nur die Fäden vernähen und am anderen Tuch fehlten dazu noch 3 Segmente.

Drache bunt/weißTuch “Drachenfeuer” (Anleitung käuflich erhältlich bei Ravelry), mit weißem Kammgarn und regenbogenfarbiger Katia-Wolle. So ein ähnliches Design habe ich nur mit farbigen “Augen” irgendwann gesehen und so ähnlich wollte ich es auch.

Drache rosaUnd noch ein Drachenfeuer. Das war mein erstes, das ich mit Sockenwolle gestrickt habe. Die Färbung kommt quasi nur aus dem Knäuel.

Und dann hab ich gestern “Kringel” (Kaufanleitung bei Ravelry) fertig gehäkelt. Dank der kurzen Haare bekomme ich ständig einen steifen Hals. Vielleicht hilft ja ein luftiges Schälchen dagegen.

KringelDas Garn ist handgefärbte Sockenwolle vom ~*Wollklecks*~ und verbraucht habe ich genau einen Strang.

Und da ein Kringel so ganz allein nicht bleiben wollte, habe ich meinen letzten ~*Wollklecks*~Strang gewickelt (Ingrid, ich muss mal wieder Deine Kisten durchwühlen *ggg*) und einen neuen angefangen:

KringelDen häkele ich aber nicht während der Chemo weiter, sondern hab mir was neues ausgesucht für die ca. 3. Std.-Sitzung:

HäkelstolaDie Anleitung hat ~*Lavendelmaschen*~ auf ihrem Blog gepostet und ein Bild von ihrer fertigen Stola. Meine Stola wird aus dem naturfarbenen Kammgarn gehäkelt und wird mir morgen die Zeit vertreiben. Übrigens – nur noch 4 Chemos, dann hab ich diesen Marathon auch durch. Danach kommt die Operation und Bestrahlungen und dann darf endlich wieder Normalität einziehen. So langsam nervt *Otto*. Aber er wird ja auch brav klein und kleiner (so klein, dass ich ihn fast nicht mehr tasten kann).

Mal was andres

Immer stricken muss ja auch nicht sein, oder? Obwohl – Socken gehen immer. Und so gibts auch jetzt Socken zu gucken:

Opal Abo März
SockInfo: Opal Abo März, Charademuster

Diese Socken hab ich am Montag an eine Schwester verschenkt, die in der Tagesklinik Dienst gemacht hat. Letzten Mittwoch waren wir 9 Patientinnen und ständig hat irgendein Infusionsapparat gepiept. Die Schwester hatte wirklich Stress und dabei war sie total nett. In einer ruhigen Minute hat sie erzählt, dass sie supergerne handgestrickte Socken trägt, da sie kalte Füße hat. Und da das Pärchen fast fertig war, die passende Schuhgröße hatte und ich mit der Musterung nicht so ganz begeistert war, haben die Socken die Besitzerin gewechselt.

In der Chemo hab ich wieder zu handarbeiten angefangen. Was soll man sonst in mind. 3 Stunden auch machen? Die Übelkeit, die mich in den “großen” Chemos begleitete, gibts bei den “kleinen” nicht mehr. Dafür haben die andres in peto. Aber irgendwas ist ja immer… Häkeln geht gut und so hab ich aus einem handgefärbten Garn vom ~*Wollklecks*~ einen Schal namens *Kringel* angefangen.

Kringel
Und nochwas hab ich angefangen. Vor einiger Zeit habe ich von meiner Mama einige Jahrgänge Anna-Hefte bekommen. Bei der Durchsicht gefiel mir einiges so gut, dass die Hefte extra gelegt wurden. Und ein Heft animierte mich, das Handarbeitsgeschäft aufzusuchen, Garn und Stoff zu kaufen und dann auch loszulegen. Wir sind ja Nordsee-Fans und da ein Besuch dort oben aus bekannten Gründen heuer etwas schwieriger sein wird, muss ich mir doch einen “Ersatz” fertigen.

LeuchtturmdeckeDie Anleitung ist aus der Juli-Anna von 2003 und die stickt sich wirklich toll.

Leuchtturm-DetailDas ist eine komplett fertige Ecke. Die Strahlen des Leuchtturms waren im Original weiß, aber in zartgelb leutet das besser. Und dann muss ich mir noch überlegen, wie ich die Decke einfassen soll oder ob ich das lieber machen lassen. Denn ich und Nähmaschine sind keine Freundinnen…

Wollschaffrage

Seid Ihr schon mal so richtig ausgeflippt, weil es mit einer Anleitung/einem Muster/einer Technik nicht geklappt hat?

Habt ihr schon mal in die Stricknadel gebissen oder seid in Tränen ausgebrochen?

Was ist Eure Taktik bei “Handarbeitssackgassen”?

Ausgeflippt wegen eines Strickmusters? Ich flippe wegen was ganz andres aus als wegen der Strickerei (z.B. hätte ich langsam so was wieder wie ne Frisur und nicht auf dem Kopf ne Art “räudiger Hund”. So schön meine Würmer auch sind, so langsam mag ich ohne rumlaufen. Geht aber nicht. Und DAS regt mich auf!). Was mich aber immer total “fuchsig” macht, sind gestrickte Kuscheltiere. Ich hab zig Anleitungen und auch etliche ausprobiert. Aber irgendwas ist dann auch immer schief gegangen: entweder sind die Figuren viel zu dünn oder haben komische Proportionen. Der einzige gestrickte Bär, der wirklich was geworden ist, ist meine Strickbärin. Da hab ich mir beim Stricken aber fast die Finger gebrochen.

Bei “Handarbeitssackgassen” lass ich das Gestrick einfach ruhen – schlimmstenfalls bis zum absoluten ufO-Status. Und wenn ich richtig Lust hab, geh ich nochmal drüber. Denn meist ist der Knoten dann geplatzt. Und für essentielle Fragen hab ich liebe Strickerinnen, die ich per Facebook anquatschen kann. Die haben für alles und jedes eine passende Antwort :-)

Allerlei Wolliges

Und wieder wurden “nur” Kleinteile fertig. Und auch endlich habe ich mein Versprechen eingelöst:

Wurm
Ein Wurm :-) aus einem Aboknäuel von Opal vom Dezember. Und dieser blieb nicht bei mir, sondern wurde verschickt. Ich hoffe, er hält den Kopf im Winter auch warm. Jetzt brauchst Du ihn nicht mehr.

An sonsten wurden Socken fertig. Muster? Alles Charade. Ich hab mein Lieblingsmuster wieder gefunden.

1000schön
Dieser Strang 1000schön-Wolle war bei einem Päckchen (Danke, Erika!!) als bunte Dreingabe dabei.

Opalabo Dezember
Wolle: Opal-Aboknäuel vom Dezember. Diese schaffen es nicht an meine Füße, da es mir irgendwie nicht gefällt. Aber mir fällt schon ne Verwendung dafür ein.

Opalabo MärzWolle: Opal-Aboknäuel vom März. Das sind Socken, die mir und meinem Schatz gefallen.

BabyspiralsockenUnd das Klinikum wurde auch von 10 Paar Babyspiralis beliefert. Jetzt wissen die auch, welche Sockenfarben es an Kimmels Füße geschafft haben :-)

Gestern waren wir auf dem Leipziger Wollefest. Ein bisschen handgefärbte SoWo musste auch mit. Es war einfach nur schön! Toll waren auch die blühenden Bäume auf dem Weg zur Messehalle.

Leipzig

Sockenparade

Nachdem ich jetzt eine dicke Erkältung mit allem (Husten, Schnupfen, Fieber) und ne Blasenentzündung hinter mir habe, erhole ich mich so langsam wieder von allem. Die kleinen Chemos sind von den Nebenwirkungen (bis jetzt) für mich sehr gut erträglich. Wenns so weiter geht, dann bin ich echt zufrieden.

Stricktechnisch wurde nix großes fertig. Aber Socken gehen ja immer:

Wollschaffrage

Welche Gefühle verbindest Du mit dem Stricken und Häkeln oder allgemein mit dem Verarbeiten von Wolle?
Welche Bedeutung hat dieses Hobby für Dich?
Was würdest Du fühlen, denken, machen, wenn Du aus irgendelchen Gründen plötzlich überhaupt nicht mehr mit Wolle und Nadeln arbeiten könntest oder dürftest?

Das Stricken gibt mir sehr viel. Ohne stricken zu können hätte ich meine verschiedenfarbenen Würmer nicht und müsste wohl doch die Perücke tragen. Und Wolle durch die Finger gleiten zu lassen hat für mich etwas heimeliges.
Beim Stricken kann ich gut abschalten und mich auf andre Gedanken bringen lassen. Die viele Grübelei (Wie geht das mit den Chemos weiter? Welche Nebenwirkungen werden die “kleinen” wohl mit sich ziehen? Wie schnell wachsen meine Haare wieder nach?) kann ich damit wenigstens ansatzweise kompensieren.
Ich hoffe, dass ich auch nach der OP stricken kann und nicht zu sehr eingeschränkt werde. Da kommen ja auch Lymphdrüsen raus (zumindest die Wächterdrüse) und was dann wieder wird, kann ich noch nicht abschätzen. Nicht mehr stricken zu dürfen oder zu können – das will ich mir nicht vorstellen…